Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden meist in Wohngruppen untergebracht. Sie können aber auch im Rahmen der sog. Vollzeitpflege untergebracht werden. Pflegepersonen in diesem Sinne sind Personen, denen das Jugendamt hierzu eine Genehmigung erteilt hat. Dabei kann es sich auch um Verwandte der Jugendlichen handeln. Diese brauchen in der Regel keine gesonderte Genehmigung und haben, ebenso wie andere Pflegefamilien, Anspruch auf Unterstützung durch das Jugendamt. Im Einzelfall entscheidet das Jugendamt unter Beteiligung des Minderjährigen darüber, ob die Unterbringung in einer Familie geeignet ist.
Meldungen
Studie: Jugendhilfe wirkt!
27.02.2018

Der BVkE hat in Kooperation mit dem IKJ eine Evaluation stationärer Jugendhilfemaßnahmen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge durchgeführt. Ausgewertet wurden mehr als 1.200 Hilfen. Damit liegen erstmals wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse zur Wirksamkeit vor. Diese zeigen: Herausragende Effektstärken liegen bei Hilfen mit einer Dauer von über 18 Monaten vor und die Jugendhilfe wirkt bei geflüchteten Jugendlichen besonders positiv. Der BumF sieht sich durch die Studie darin bestärkt, weiterhin an die Politik zu appellieren, die Jugendhilfe zu stärken und Zukunftsperspektiven abzusichern, statt kurzfristig Kosten zu sparen oder Hilfen abrupt zu beenden.

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Arbeitshilfe: Vorbereitung von zukünftigen Pflegeeltern
22.02.2018

Das Kompetenzzentrum Pflegekinder hat eine Arbeitshilfe zur Vorbereitung von zukünftigen Pflegeeltern herausgegeben. Die Handreichung ist eine komprimierte Darstellung der einzelnen Schritte im Prozess der Vorbereitung und der allgemeinen Eignungseinschätzung. Das Komeptenzzentrum hat zudem bereits vor Längerem eine Arbeitshilfe zum Thema "Jugendliche Flüchtlinge in Gastfamilien" sowie die Bibliographie "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Kinderflüchtlinge, Kindersoldaten" herausgegeben, die ebenfalls hilfreich für die Praxis sind.

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Gastfamilien – Hilfsbereitschaft nutzen statt ausnutzen
25.05.2016
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Hintergrund

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden in der Regel in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht und betreut. Eine Unterbringung in einem familiären Umfeld im Rahmen der sog. Vollzeitpflege ist jedoch ebenfalls möglich (§ 33 SGB VIII). Hierüber entscheidet das örtliche Jugendamt unter Beteiligung des Minderjährigen. Der/die Vormund/in muss die Unterbringung in Vollzeitpflege beantragen (§§ 27, 33 SGB VIII).

Personen, die im Sinne des SGB VIII Pflegestelle sein möchten, brauchen eine Erlaubnis des Jugendamtes. Nur wenige Ausnahmefälle, darunter u.a. Verwandte und Verschwägert bis zum 3. Grad sind davon ausgenommen.

Pflegefamilien haben Anspruch auf Beratung und Unterstützung durch das Jugendamt (§ 37 SGB VIII). Der/die Vormund/in hat, als Personensorgeberechtigte und Anspruchsinhaber/in der Hilfe, zudem Anspruch auf das sogenannte Pflegegeld (§ 39 SGB VIII). Da die Kosten für Pflege und Erziehung aber von den Pflegeeltern aufgewendet werden, wird dieses oftmals ohne Umweg über die Vormünder direkt an die Pflegeeltern geleistet. Es handelt sich hierbei um monatliche Pauschalbeträge, deren Höhe sich kommunal unterscheidet.

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. gibt hierzu jährliche bundesweite Empfehlungen für Sachkostenpauschalen und Kosten für die Pflege und Erziehung heraus. Details müssen jedoch beim Pflegekinderdienst des örtlichen Jugendamtes erfragt werden.

Wer kann junge Flüchtlinge aufnehmen?

Sofern Ihr örtlich zuständiges Jugendamt eine Unterbringung in Familien in Betracht zieht, erfolgt dies in der Regel in Pflegefamilien – im Rahmen der Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII. Die Vorbereitung und Überprüfung der Eignung von Pflegefamilien unterliegt den fachlichen Standards der Jugendhilfe und wird durch das Jugendamt bzw. den Pflegekinderdienst koordiniert (§ 44 SGB VIII). Hier arbeiten die Jugendämter eng mit freien Trägern zusammen, die diverse Schulungen anbieten, um interessierte Familien auf die Aufgaben vorzubereiten.

Ob bei Ihnen vor Ort Pflegefamilien gesucht werden, müssen Sie daher bei Ihrem örtlichen Jugendamt erfragen. Eine Liste öffentlicher und freier Träger die Pflegefamilien für junge Flüchtlinge findet sich bei moses-online.de.

Wenn Sie ein Pflegekind aufnehmen möchten, müssen Sie nicht verheiratet sein. Auch Alleinstehende und unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare können ein Pflegekind aufnehmen. Die persönliche Eignung ist ausschlaggebend. Hierzu werden unter anderem Wohnraum, wirtschaftliche Verhältnisse, persönliche Belastbarkeit sowie Zeit und Kompetenz für Erziehungsaufgaben geprüft. Zudem müssen Pflegeeltern in der Regel spezifische Schulungen durchlaufen.

Damit Jugendliche Gehör finden. Spenden Sie für eine starke Stimme für junge Geflüchtete.

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Verwandte von jungen Flüchtlingen

Leben unbegleitete Minderjährige bei Angehörigen, haben diese, genauso wie andere Pflegeeltern, Anspruch auf Unterstützung durch das Jugendamt. Sie sind, soweit der/die Vormund/in dies beantragt, Pflegestelle im Sinne von § 33 SGB VIII, wenn das Jugendamt sie für den konkreten Bedarf als geeignet einschätzt – im Zweifel aber muss eine fehlende Eignung durch zusätzliche Hilfen ausgeglichen werden, bevor die Verwandten als ungeeignet abgelehnt werden. Wird die Hilfe gewährt, so entsteht der Anspruch auf das Pflegegeld als so genannter Annexanspruch automatisch (§ 39 SGB VIII). Es gelten dabei dieselben Grundsätze wie für andere Pflegeeltern.

Details finden Sie auf unserer Themenseite “Betreuung durch Verwandte”

Material

Die Betreuung und Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Pflegefamilien bzw. in sogenannten Gastfamilien hat bundesweit einen sehr unterschiedlichen Stellenwert. In einigen Kommunen wird seit Jahren auf diese Möglichkeit zurückgegriffen, anderorts nur vereinzelt bzw. gar nicht. Die Unterbringung von jungen Menschen im familiären Kontext eröffnet viele Chancen. Sie muss jedoch immer eine Reaktion auf den individuellen Bedarf des jungen Menschen sein und darf bspw. nicht allein der Vermeidung von Obdachlosigkeit dienen. Zudem müssen Standards und Qualitätskriterien in der Begleitung der jungen Menschen und ihrer Pflegefamilien uneingeschränkt eingehalten werden.

(Februar 2016)