Die Trennung von Eltern, Geschwistern und anderen Bezugspersonen stellt eine erhebliche Belastung für Kinder und Jugendliche dar. Ob ein Nachzug aus dem Herkunftsland, eine Verteilung zu Angehörigen in Deutschland oder eine innereuropäische Zusammenführung erfolgen kann, ist jedoch von vielen Faktoren, wie dem Aufenthaltsstatus, Alter und Verwandtschaftsgrad abhängig.
Meldungen
Gemeinsamer Appell: Recht auf Familiennachzug umsetzen!
20.09.2022

Anlässlich des Weltkindertags am 20.09.2022 fordert der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. gemeinsam mit über 20 Organisationen und Verbänden die versprochenen Verbesserungen aus dem Koalitionsvertrag im Bereich des Familiennachzugs umzusetzen.

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BumF, Jugendliche ohne Grenzen & Terre des Hommes veröffentlichen Stellungnahme zum Gesetzesentwurf
17.06.2022

Anlässlich des Gesetzesentwurfs zur Einführung eines Chancen-Aufenthaltsrechts hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. zusammen mit Jugendliche ohne Grenzen und Terre des Hommes eine Stellungnahme verfasst.

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Sicherheit und Zukunftsperspektiven für junge Geflüchte auf Afghanistan!
26.08.2021
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Online-Umfrage 2020 zur Situation junger Geflüchteter: Auswertung und Ergebnisse
19.04.2021
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Hintergrund
Getrennte Familien und Flucht

Familien werden aufgrund von Krieg, Verfolgung oder anderen bedrohlichen Umständen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Auf der Flucht werden Familienmitglieder häufig voneinander getrennt. So kommen viele geflüchtete Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern und Geschwister nach Deutschland. Minderjährige (unter 18-Jährige), die ohne beide Elternteile einreisen, nennt man unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF). Aber auch junge Menschen, die in Begleitung nur eines Elternteils eingereist sind, während die restliche Familie zurückgeblieben ist, sehnen sich nach den zurückgebliebenen Familienmitgliedern. Die Unterstützung und der Rückhalt durch die Familie ist gerade im Kontext der Flucht eine zentrale Bedingung für ein gelingendes Ankommen. Die erste Frage von jungen Menschen, die von ihrer Familie getrennt sind, ist meistens nicht „Wie kann ich meinen Aufenthalt sichern?“, sondern „Wann kann ich meine Familie wiedersehen?“.

Pädagogische Begleitung

Juristische Fragen sind für eine Familienzusammenführung ausschlaggebend, aber damit diese dauerhaft gelingt, ist die pädagogische Begleitung sehr relevant. Es muss in jedem Einzelfall von Beginn an eine umfassende Begleitung von Kindern und Eltern stattfinden. Das Thema Familie und Familienzusammenführung gehört von Anfang an in die Perspektivabklärung und sollte Bestandteil der Hilfeplanung sein.
Dazu gehört auch die Unterstützung der Jugendhilfe bei einem frühzeitigen Kontakt mit der Familie, um eine Entscheidung aller Beteiligter herbeizuführen, ob eine Zusammenführung gewünscht ist. Gerade aufgrund der rechtlichen Unsicherheit, ob es letzten Endes eine Zusammenführung geben wird, ist Elternarbeit im Rahmen der Möglichkeiten dringend erforderlich. Unterstützung durch die Jugendhilfe sollte sowohl während des Prozesses, als auch bei einer gelungenen Zusammenführung, als auch bei nicht erfolgter Zusammenführung stattfinden.

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Rechtlicher Rahmen

Der Familiennachzug umfasst unterschiedliche Konstellationen, bei denen aufgrund des Familienverhältnisses, des Aufenthaltsstatus der Person in Deutschland sowie des Aufenthaltsorts der Angehörigen unterschiedliche Rechtsnormen greifen.

Checkliste zur Ermittlung der Sachlage und der Möglichkeiten der Familienzusammenführung
(vgl. S. 17 Migration im Fokus)

  • Aufenthaltsstatus des/der Stammberechtigten
    (d.h. des Familienmitglieds in Deutschland) prüfen
  • Ist der Stammberechtigte oder nachzugswillige Angehörige (noch) minderjährig?
  • Fristablauf für den erleichterten Familiennachzug prüfen (3 Monate ab Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft)
  • Feststellen, welche Angehörige nachziehen sollen
  • Feststellen, wo sich die Angehörigen aufhalten
  • Prüfen, welche Auslandsvertretung für den Antrag zuständig ist
  • Prüfen, ob ein Sonderfall vorliegt
Familiennachzug aus dem Herkunftsland oder einem Drittland

UmF, denen der Flüchtlingsstatus zugesprochen wurde (§3 AsylG oder §16a GG), ist es möglich, Familienmitglieder aus dem Herkunftsland oder einem Transitland, in dem sich die Familie legal aufhält, nach Deutschland zu bringen.
Diese Art des Familiennachzugs beschränkt sich auf die sogenannte Kernfamilie und umfasst Verwandte 1. Grades (Eltern und Kinder) sowie Ehepartner. Volljährigen Personen ist es möglich, Ehegatten (§30 AufenthG) und minderjährige Kinder (§32 AufenthG) aus dem Herkunftsland nach Deutschland zu holen.

Für die Familienzusammenführung zu Flüchtlingen im Sinne von §3 AsylG oder §16a GG hat das Auswärtige Amt eine Webseite mit Informationen eingerichtet: FAP.diplo.

Wichtige praktische Hinweise zum Nachweis der fristwahrenden Anzeige (vgl. S. 23 Migration im Fokus ).

    • ! Achtung, diese Auflistung ist als praktischer Hinweis zu verstehen, um einen Nachweis zu erhalten. Je mehr Nachweise, desto besser ist es im Streitfall. Manche der Nachweise werden nur von den Auswärtigen Ämtern akzeptiert, während sie von Gerichten nicht ohne weiteres anerkannt werden (Nr. 1). Zu Tipp Nr. 4, der E-Mail in Kombination mit der Lesebestätigung gibt es bislang unserer Erkenntnis nach noch keine Rechtsprechung.
    • Weitere hilfreiche, praktische Tipps befinden sich in der Broschüre u.a. zum Nachweis von Beweismitteln über die Identität und Urkunden zur Vorsprache, zur Terminvereinbarung und zum Zugang zur Auslandsvertretung.

Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF), die den Flüchtlingsstatus zuerkannt bekommen haben, besteht ein Anspruch auf Nachzug beider Eltern in jedem Fall bis zum Erreichen des 18. Lebensjahrs (§36 Abs. 1, BVerfGE 10C 9.12). Der Anspruch setzt voraus, dass der Minderjährige ohne einen personensorgeberechtigten Elternteil in Deutschland lebt; es ist aber unschädlich für den Anspruch, wenn die Minderjährigen mit anderen Verwandten eingereist sind oder mit ihnen leben. Dieser Anspruch besteht ohne Nachweis der Sicherung des Lebensunterhalts oder von Wohnraum. Denn: Eltern haben ein Recht auf ihre Kinder und Kinder haben ein Recht auf ihre Eltern.
Beim Nachzug der Eltern zum gerade volljährig gewordenen umF, der den Flüchtlingsstatus zuerkannt bekommen hat, ist die Rechtslage in Deutschland aktuell ungeklärt (Stand Anfang Februar 2022). Am 12. April 2018 hat der EUGH C-550/16 entschieden (), dass der Eintritt der Volljährigkeit während des Asylverfahrens kein Hindernis für den Elternnachzug darstellt. Das wichtige ist nur, dass der Asylantrag vor dem 18. Geburtstag gestellt wird. Wenn über das Asylverfahren dann positiv entschieden und die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wird und die antragstellende Person im Laufe des Verfahrens volljährig wurde, kann sie immer noch einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen. Dieser Antrag auf Familienzusammenführung soll innerhalb einer „angemessenen Frist“ (drei Monaten) geltend gemacht werden. Das Urteil des EuGH wird vom Auswärtigen Amt nicht umgesetzt, weil es sich auf die niederländische Rechtslage bezieht. Dem EuGh liegen aber Verfahren vor, die sich auf die deutsche Rechtslage beziehen. Ein Urteil des Europäischen Gerichts steht aber noch aus (Stand Anfang März 2022).

Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte: Härtefallregelung

Für subsidiär Schutzberechtigte (Aufenthaltserlaubnis §25.2 AufenthG) gibt es momentan nur Elternnachzug nach der Härtefallregelung. Nach der Härtefallregelung des § 36 a AufenthG können bis zu 1.000 Familienangehörige von subsidiär schutzberechtigten Personen pro Monat nach Deutschland einreisen, auch Eltern von umF. Das Kontingent wurde im letzten Jahr lange nicht ausgeschöpft. Hier soll ermutigt werden, die Anträge auf Familienzusammenführung auch bei Zuerkennung von subsidiärem Schutz zu stellen. Informationen zum Verfahren finden sich auf der Themenseite des Informationsverbunds Asyl und Migration.
Im neuen Koalitionsvertrag 2021 wurde vereinbart: »Wir werden die Familienzusammenführung zu subsidiär Geschützten mit den GFK-Flüchtlingen gleichstellen«. Die gesetzliche Umsetzung fehlt noch.

Geschwisternachzug

Für den Geschwisternachzug fehlen im deutschen Asyl – und Aufenthaltsrecht spezielle Regelungen. Sie gehören nicht zur Kernfamilie, sondern sind als „sonstige Familienangehörige“ vom Nachzugsanspruch ausgenommen. Dies widerspricht der Lebensrealität, in der Geschwister zum engen Familienkreis gehören und in Familieneinheit mit den gemeinsamen Eltern leben.
Auch diesbezüglich verspricht die neue Regierung Verbesserungen. Im neuen Koalitionsvertrag 2021 heißt es dazu: „Wir werden beim berechtigten Elternnachzug zu unbegleiteten Minderjährigen die minderjährigen Geschwister nicht zurücklassen.“ Auch hier fehlt bisher allerdings die gesetzliche Umsetzung. Für den Geschwisternachzug für umF, denen der Flüchtlingsstatus zugesprochen wurde (§3 AsylG oder §16a GG) gibt es dennoch unterschiedliche Möglichkeiten (Migration im Fokus)

§ 32 Abs. 1 AufenthG:
Es gibt die Möglichkeit für die Geschwister beim Nachzug der Eltern zum umF ein Visum zu den Eltern mit den Eltern zu beantragen. Die Vorwirkung des Visums, die man auch in anderem Zusammenhang kennt, eröffnet für die minderjährigen Geschwister des umF die Chance, gemeinsam mit den Eltern einzureisen.
Dafür ist jedoch grundsätzlich erforderlich, dass der Lebensunterhalt gesichert und ausreichend Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann – das stellt in der Praxis ein großes Problem dar. Zu beachten ist, dass zur Sicherung des Lebensunterhaltes auch der Krankenversicherungsschutz zählt.
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, den Nachweis zu erbringen, z.B. durch(vgl. S. 63 Link zur Broschüre “Migration im Fokus/Familiennachzug” (November 2021)):

  • Verpflichtungserklärungen,
  • Vermögen der Familie,
  • konkrete und nachprüfbare Arbeitsangebote für die nachziehenden Eltern, sofern diese ausnahmsweise Aussicht auf eine Beschäftigung haben.

Im Einzelfall sind auch Ausnahmen möglich, wenn nur kleine Beträge zur Sicherung des Lebensunterhalts fehlen und der Krankenversicherungsschutz vorliegt
Beim Nachweis der Lebensunterhaltssicherung handelt es sich um eine sogenannte Regelerteilungsvoraussetzung (Gesetzeswortlaut § 5 I Nr. 1 AufenthG: in der Regel). Von der Erfüllung dieser Voraussetzung kann in einem atypischen Fall abgewichen werden, was in der Rechtsprechung vertreten (vgl. OVG Berlin-Brandenburg 19.12.2018 – 3 S 98.18 mit Hinw. Auf EUGH 12.4.2018 – C-550/16) und auch im Runderlass des Auswärtigen Amtes vom 20.03.2017 erwähnt wird, in dem das Auswärtige Amt auf diverse Rechtsgrundlagen zum Familiennachzug zu umF eingegangen ist. Laut Runderlass ist bei der Beurteilung, ob ein atypischer Fall vorliegt, Folgendes in Betracht zu ziehen:

In Frage kommen hierbei Aspekte wie aktuelle Lebenssituation der Kinder (Unterkunft im Flüchtlingslager, bei Verwandten, im eigenen Wohnort o. ä.), die Betreuungssituation nach Ausreise der Eltern (Zumutbarkeit, dass ein Elternteil vorerst zurückbleibt, Betreuungsmöglichkeiten durch Verwandte oder ältere Geschwister) etc. Hierbei ist eine hinreichende Glaubhaftmachung der individuellen Situation erforderlich, die bloße Behauptung genügt nicht.

Noch schwieriger ist es, den Nachweis über die zwingende Voraussetzung des ausreichenden Wohnraumes für die nachziehenden Geschwister zu erbringen (vgl. § 29 I Nr. 2 AufenthG), von der grundsätzlich keine Ausnahme möglich ist. Jedoch gibt es auch hier Hinweise in der Rechtsprechung, dass davon abzusehen ist (vgl. VG Berlin 10.10.2019 – 38 L 106.19 V, JAmt 2020, 597).Wenn Sie den Lebensunterhalt des Geschwisterkindes nicht bestreiten können oder nicht ausreichend Wohnraum zur Verfügung haben und mit Unterstützung eines Rechtsanwalts/ einer Rechtsanwältin klagen wollen, wenden Sie sich an unseren Rechtshilfefonds.

§ 36 Abs. 2 AufenthG und § 22 AufenthG:
Eine andere Möglichkeit ist der Nachzug nach § 36 Abs. 2 AufenthG.
Hier erfolgt der Geschwisternachzug direkt zu dem hier lebenden unbegleiteten Minderjährigen als Stammberechtigten ohne den Umweg über den Elternteil. § 36 Abs. 2 AufenthG ist allerdings kein Anspruch, sondern eine Ermessensvorschrift und erfordert das Vorliegen einer außergewöhnlichen Härte. Die Prüfung unterliegt dabei den kommunalen Ausländerbehörden(Verwaltungsvorschrift zu §36</a).
Die Rechtsprechung führt zu dem Begriff der „außergewöhnlichen Härte“ aus:

Eine außergewöhnliche Härte in diesem Sinne setzt grundsätzlich voraus, dass der schutzbedürftige Familienangehörige ein eigenständiges Leben nicht führen kann, sondern auf die Gewährung familiärer Lebenshilfe dringend angewiesen ist, und dass diese Hilfe in zumutbarer Weise nur in Deutschland erbracht werden kann. Ob dies der Fall ist, kann nur unter Berücksichtigung aller im Einzelfall relevanten, auf die Notwendigkeit der Herstellung oder Erhaltung der Familiengemeinschaft bezogenen konkreten Umstände beantwortet werden.

Der Geschwisternachzug setzt zudem grundsätzlich ausreichend Wohnraum und Sicherung des Lebensunterhalts voraus. Ob hierauf verzichtet werden kann, muss anhand des jeweiligen Einzelfalls geprüft werden.
Allgemeines, lesenswertes Gutachten von Save the children zum Geschwisternachzug.
Wenn die besondere Härte nachgewiesen werden soll, ist hierzu das Jugendhilfesystem mit einzubeziehen. Einrichtungen, Vormünder und ggf Therapeuten können konkret begründen, welche explizite Härte dem /der Jugendlichen durch den Nichtnachzug der Geschwister entsteht.
In vielen Fällen wird der Geschwisternachzug jedoch abgelehnt. Eltern müssen sich dann faktisch entscheiden, ob sie nachziehen und andere Geschwister im Heimatland lassen, oder ob sie bei den Geschwistern im Heimatland verbleiben. Besonders problematisch stellt sich dies bei Alleinerziehenden dar. In Familien mit beiden Elternteilen kann der sogenannte „Kaskadennachzug“ eine Lösung sein: Ein Elternteil reist zum UMF und durchläuft das Verfahren vor dem BAMF um einen Aufenthaltstitel zu erlangen um sich dann um Familiennachzug des Ehepartners und Kindes zu bemühen. Dies nimmt einiges an Zeit in Anspruch.
Aus pädagogischer Sicht ist es daher sehr wichtig, im Vorfeld zu besprechen, wie mit dem Fall, dass nur für die Eltern ein Visum erteilt wird, umzugehen ist.

Verfahren zur Antragsstellung

Der reguläre Familiennachzug kann beantragt werden, wenn das in Deutschland lebende Familienmitglied seine Anerkennung im Asylverfahren erhalten hat. Alle Familienmitglieder, die nach Deutschland nachziehen möchten, müssen dann einen Antrag bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung persönlich stellen. Lebt die Familie in einem Drittland oder ist die deutsche Auslandsvertretung im Land der Familie geschlossen, kann die zuständige deutsche Auslandsvertretung über die Webseite des Auswärtigen Amts ermittelt werden.
Die Terminvergabe wird von den deutschen Auslandsvertretungen selbst organisiert und erfolgt in der Mehrheit der Staaten über ein Online – System.
Die für den Nachzug notwendigen Dokumente richten sich nach dem Herkunftsland der Nachziehenden – auf der Website der Auslandsvertretung finden sich dazu die entsprechenden Informationen. Je nach Herkunftsland können von den deutschen Auslandsvertretungen neben Urkunden auch DNA -Tests verlangt werden.
Die kommunale Ausländerbehörde am Wohnort des anerkannten Flüchtlings wird informiert und muss/kann – je nach rechtlicher Grundlage – ihre Zustimmung erteilen. Nach einer Prüfung stellt die deutsche Auslandsvertretung dann ein Visum zur Einreise aus.
Wird eine Familienzusammenführung abgelehnt, bzw. wird kein Antragstermin vergeben oder gar nicht reagiert, kann rechtlich dagegen vorgegangen werden. Geklagt wird dabei immer gegen die deutsche Auslandsvertretung als Visumausstellende Institution. Zuständig für Klagen gegen deutsche Auslandsvertretungen ist das Verwaltungsgericht Berlin.

Unterstützung

Unterstützung beim Familiennachzug bieten unter anderem die International Organisation for Migration, Pro Asyl, Flüchtlingsräte, Flüchtlingspaten Syrien, Equal Rights beyond Borders e.V und der Internationale Sozialdienst. Anwaltliche Unterstützung ist besonders in komplizierten Fällen ratsam. Die Diakonie Deutschland hat zudem einen Fonds zur finanziellen Unterstützung aufgelegt.

Familienzusammenführung innerhalb Europas

Unbegleitete Minderjährige können unter bestimmten Voraussetzungen mit Angehörigen in Europa zusammengeführt werden. Die Dublin-Verordnung ermöglicht, dass ein anderer EU-Staat ihr Asylverfahren übernimmt, wenn sich dort Eltern und Geschwister oder Tanten, Onkel oder Großeltern aufhalten (Art. 8 Dublin-III-Verordnung). Umgekehrt können unter bestimmten Voraussetzungen auch Eltern und Geschwister zu einem Minderjährigen nach Deutschland ziehen, wenn diese z.B. später als der Minderjährige einreisen (Art. 9, Art. 7 Abs. 3 Dublin-III-Verordnung sowie Erwägungsgründe 13 bis 18 der Verordnung).

Die nachziehenden Personen sollten am besten direkt bei der Asylantragstellung (schriftlich) den Wunsch äußern, von dem Mitgliedstaat aufgenommen zu werden, in dem sich ein Familienmitglied befindet, damit bestehende Fristen eingehalten werden können. Hierzu ist es oft notwendig, mit einer Flüchtlingsorganisation in dem zuständigen EU-Land Kontakt aufzunehmen, um das dortige Verfahren zu klären und notwendige Unterlagen aus Deutschland zusenden zu können. Auf w2eu.info finden Sie Kontakte von Flüchtlingsorganisationen in anderen europäischen Ländern.
Gleichzeitig sollte der Fall bei der BAMF-Aussenstelle, die für die Dublin-Verfahren zuständig ist, schriftlich dargelegt und dort um Unterstützung gebeten werden.
Das Verfahren muss immer vom „abgebenden“ EU-Staat aus betrieben werden, der ein sogenanntes Aufnahmegesuch stellen muss. Halten sich z.B. die Eltern eines Minderjährigen in Griechenland auf, müssen sich die griechischen Behörden an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wenden, damit das Verfahren in Gang kommt. Gleiches gilt z.B. auch, wenn ein unbegleiteter Minderjähriger in Italien ankommt und zu seiner Tante nach Deutschland will. In diesem Fall müssen sich die italienischen Behörden an das BAMF wenden und ein Aufnahmeersuchen stellen. Wollen etwa Minderjährige aus Deutschland zu Angehörigen in Norwegen, muss sich wiederum das BAMF an die norwegischen Behörden wenden.
Die Frage einer Familienzusammenführung (aufgrund der Dublin-Verordnung) ist durch das Jugendamt während der vorläufigen Inobhutnahme zu prüfen.
Da eine Zusammenführung ausgeschlossen ist, wenn diese nicht dem Kindeswohl dient, muss in jedem Einzelfall zudem die zuständige Jugendschutzbehörde eingebunden werden und eine Kindeswohlprüfung vornehmen.
Auf der Themenseite Informationen zum Verfahren der Familienzusammenführung des Informationsverbund Asyl & Migration finden Sie detaillierte Informationen zum Vorgehen und zu den Voraussetzungen einer Zusammenführung.

"Familienzusammenführung" innerhalb von Deutschland (= Umverteilung)

Wenn sich alle Familienmitglieder schon in Deutschland befinden spricht man nicht von Familiennachzug, sondern von einer Umverteilung. Wollen unbegleitete Minderjährige zu Angehörigen in Deutschland ziehen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.
Zunächst muss das Jugendamt während der vorläufigen Inobhutnahme prüfen, ob eine Zusammenführung mit Angehörigen erfolgen kann (§42a SGB VIII). Maßgeblich ist dabei nicht, ob die Angehörigen die Minderjährigen auch aufnehmen können. Die Zusammenführung kann auch alleine zur Herstellung räumlicher Nähe erfolgen, wenn dies im Sinne des Kindeswohls ist. In diesen Fällen muss das Jugendamt von einer bundesweiten Quoten-Verteilung absehen und die Zusammenführung auf den Weg bringen. Leben die Verwandten in großer Distanz zum vorläufig in Obhut nehmenden Jugendamt und soll das Kind/Jugendlicher in deren Nähe untergebracht werden, so kann das zuständige Jugendamt dies ohne einen Zuständigkeitstransfer verfügen.

FAQ Umverteilung

Befindet sich ein Jugendlicher bereits in der Inobhutnahme oder einer Anschlussversorgung, ist das Verfahren ähnlich. Die rechtliche Vertretung kann entweder eine Unterbringung in räumlicher Nähe zu Angehörigen, z.B. in einer Wohngruppe (§34 SGB VIII), oder im Rahmen der Vollzeitpflege (§33 SGB VIII) bei den Angehörigen beantragen, sofern dies dem Kindeswohl dient. Hierzu ist ebenfalls kein Zuständigkeitstransfer notwendig. Das Jugendamt am Wohnort der Angehörigen kann jedoch im Rahmen der regulären Inobhutnahme die Zuständigkeit für Minderjährige übernehmen, sofern dies aus humanitären und Kindeswohlgesichtspunkten geboten ist (§ 88a Abs. 2 S. 3 SGB VIII).
Details zur innerdeutschen Zusammenführung finden sich in der Handreichung des Deutschen Vereins für die Zusammenarbeit der Akteure im Bereich der Familienzusammenführung, an denen der BumF mitgewirkt hat.
Bei erfolgreicher Familienzusammenführung wird die Vormundschaft durch das Familiengericht aufgehoben, die Eltern bekommen das Sorgerecht wieder. Wie in allen anderen Fällen, in denen die elterliche Sorge ruht, ist dieser Prozess durch das Jugendamt zu begleiten. Die Jugendhilfemaßnahme endet nicht abrupt mit der Einreise der Eltern, vielmehr ist im Rahmen der Hilfeplanung zu eruieren, welche weitere ambulante oder stationäre Unterstützung der Jugendliche, aber auch die Familie braucht. Nicht selten treten in Familien Schwierigkeiten auf, die sich durch die lange Trennung, die Konfusion von Rollen und der Ablösung der UMF aus den familiären Kontexten ergeben.

Förderung

Erstellt im Rahmen des Projektes „Gut ankommen – Fachkräfte qualifizieren“. Dieses Projekt wird aus Mittel aus dem Asyl-, Migrations- und Flüchtlingsfonds kofinanziert.

Stand: Februar 2022

Material

Während im Jugendhilfe- und Familienrecht Verfahren zur Berücksichtigung des Kindeswohls existieren, fehlen diese zumeist in den aufenthaltsrechtlichen Vorschriften. Daher hat der Bundesfachverband umF eine Arbeitshilfe erarbeitet, um Ausländerbehörden dabei zu helfen, ihre Arbeit mit umF zu verbessern und ein grundlegendes Verständnis für die Aufgabenbereiche der Jugendhilfe zu entwickeln.

(November 2017)

In dieser Broschüre, die gemeinsam mit Jugendlichen erarbeitet wurde, werden die Rechte von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kindgerecht dargestellt. Mit welchen Behörden, Ämtern und Organisationen habe ich es zu tun? Was passiert alles in der ersten Zeit? Wer kümmert sich um mich? Und vor allem: Welche Rechte gibt es? Dies und vieles mehr erfahren junge Flüchtlinge in der Broschüre.

Dies ist die deutsche Version der Broschüre, eine Übersicht aller Sprachen finden Sie hier.

(Februar 2017)

Den Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erreichen vermehrt Hinweise, dass das Auswärtige Amt Anträge auf Familiennachzug, in denen während des Verfahrens die Volljährigkeit eingetreten ist, mit dem Argument ablehnt, das Urteil des EuGH vom 12. April 2018 sei in Deutschland nicht anwendbar, da eine Vergleichbarkeit mit der niederländischen Rechtslage fehle und werde daher in Deutschland nicht umgesetzt.

Im Folgenden hat der Bundesfachverband umF die Hinweise zur Umsetzung Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) vom 12. April 2018 an der vom Auswärtigen Amt vertretene Rechtsauffassung ausgerichtet.

(Oktober 2018)

Forderungen des Bundesfachverbandes unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. zum Asyl- und Aufenthaltsrecht anlässlich der Koalitionsverhandlungen.

 

(Oktober 2017)