Für die meisten jungen Flüchtlinge gibt es keinen legalen Weg nach Europa: Dies zwingt sie auf gefährliche Routen. Schaffen sie es über die EU-Grenzen, besteht teilweise die Möglichkeit der Zusammenführung mit Angehörigen, doch die Hürden sind hoch und viele Minderjährige machen sich auf eigene Faust oder mit Schleppern auf den Weg an ihre Zielorte. Hierbei sind sie Gefahren wie Menschenhandel und Ausbeutung ausgesetzt.
Meldungen
Verfolgte Menschen brauchen Schutz – auch in Europa
27.06.2018

Gemeinsam mit einem großen Bündnis fordern wir von der Bundesregierung, Verantwortung für den Flüchtlingsschutz in Deutschland und Europa zu übernehmen. Statt dem Schutz der Grenze, muss die deutsche und europäische Asylpolitik in erster Linie dem Schutz der Menschen dienen. Daher wurde vor dem EU-Gipfel zur Asylpolitik die "Berliner Erklärung zum Flüchtlingsschutz" veröffentlicht.

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Familienzusammenführungen im Rahmen der Dublin-III-Verordnung
27.04.2018

Wenn Familienangehörige nicht gemeinsam fliehen und über unterschiedliche EU-Mitgliedstaaten verstreut sind, kann die Familienzusammenführung im Rahmen des Dublin-Verfahrens hergestellt werden. Die aktuelle Handreichung der Diakonie "Familienzusammenführungen im Rahmen der Dublin-III-Verordnung nach Deutschland. Anspruch – Verfahren – Praxistipps" richtet sich mit detaillierten Informationen an alle, die in der Beratung und Begleitung von Flüchtlingen tätig sind.

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Beratungen zur EU-Asylreform: Verbände und Organisationen warnen vor Aushöhlung des individuellen Asylrechts
26.01.2018
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European Asylum System – GEAS Stellungnahme auf Englisch
12.12.2017
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Dokumentation der BumF Herbsttagung 2017
29.11.2017
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Hintergrund
Gefahren auf der Flucht und im Transit

Für die meisten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge gibt es keinen legalen Weg nach Europa. Daher sind sie dazu gezwungen illegal und oft auf gefährlichen Routen einzureisen. Es gilt dabei die Faustregel: Je stärker sich die EU abschottet und je höher die Zäune werden, desto gefährlicher wird der Weg. Eine Zeit lang konnten Flüchtlinge z.B. relativ gefahrenfrei über die Balkanroute einreisen, nach den Grenzschließungen im Jahr 2016 ist dies nicht mehr möglich. Die zweite wichtige Route über das Mittelmeer ist jedoch deutlich gefährlicher, jedes Jahr sterben mehrere tausend Menschen bei dem Versuch, Europa per Boot zu erreichen.

Auf den Übersichtsseiten von PRO ASYL finden Sie einen Überblick zu den Themen EU-Asylpolitik, Tod an den Außengrenzen und Festung Europa. Borderline-Europe und bordermonitoring.eu berichten von den EU-Außengrenzen. Ankunftszahlen von minderjährigen Flüchtlingen in Europa finden sich bei UNICEF und dem UNHCR.

Die Situation von unbegleiteten Minderjährigen in Europa

Die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Europa unterscheidet sich stark. Die Berichte reichen hier von guten Betreuungs- und Unterbringungssituationen bis hin zu Berichten über Obdachlosigkeit, Ausbeutung und Inhaftierung. In allen EU-Ländern gelten jedoch europarechtliche Vorgaben. Es gilt z.B. immer das sogenannte „Best Interest“-Prinzip. Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, muss das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen. Dieser Eckpfeiler der UN-Kinderrechtskonvention ist in Artikel 24 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union festgeschrieben.

Das Europäische Netzwerk Separated Children in Europe, in dem der Bundesfachverband UMF engagiert ist, bietet Informationen rund um das Thema umF in Europa an. Der Europäische Flüchtlingsrat und UNICEF veröffentlichen regelmäßig Informationen zum Thema Flüchtlinge in Europa.

Verbessern wir gemeinsam die Situation von jungen Geflüchteten!

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Wie funktioniert die Zusammenführung mit Angehörigen in Europa?

Wenn unbegleitete Minderjährige in Europa ankommen, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen mit Angehörigen in Europa zusammengeführt werden. Die Dublin-Verordnung ermöglicht, dass ein anderer EU-Staat ihr Asylverfahren übernimmt, wenn sich dort Eltern und Geschwister oder Tanten, Onkel oder Großeltern aufhalten (Art. 8 Dublin-III-Verordnung). Umgekehrt können unter bestimmten Voraussetzungen auch Eltern und Geschwister zu einem Minderjährigen nach Deutschland, wenn diese z.B. später als der Minderjährige einreisen (Art. 9, Art. 7 Abs. 3 Dublin-III-Verordnung sowie Erwägungsgründe 13 bis 18 der Verordnung).

Die nachziehenden Personen sollten am besten direkt bei der Asylantragstellung (schriftlich) den Wunsch äußern von dem Mitgliedstaat aufgenommen zu werden, in dem sich ein Familienmitglied befindet, damit bestehende Fristen eingehalten werden können. Hierzu ist es oft notwendig, mit einer Flüchtlingsorganisation in dem zuständigen EU-Land Kontakt aufzunehmen, um das dortige Verfahren zu klären und notwendige Unterlagen aus Deutschland zusenden zu können. Auf w2eu.info finden Sie Kontakte von Flüchtlingsorganisationen in anderen europäischen Ländern.

Gleichzeitig sollte der Fall bei der BAMF-Außenstelle, die für die Dublin-Verfahren zuständig ist, schriftlich dargelegt und dort um Unterstützung gebeten werden.

Das Verfahren muss immer vom „abgebenden“ EU-Staat aus betrieben werden, der ein sogenanntes Aufnahmegesuchen stellen muss. Halten sich z.B. die Eltern eines Minderjährigen in Griechenland auf, müssen sich die griechischen Behörden an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wenden, damit das Verfahren in Gang kommt. Gleiches gilt z.B. auch, wenn ein unbegleiteter Minderjähriger in Italien ankommt und zu seiner Tante nach Deutschland will. In diesem Fall müssen sich die italienischen Behörden an das BAMF wenden und ein Aufnahmeersuchen stellen. Wollen etwa Minderjährige aus Deutschland zu Angehörigen in Norwegen muss sich wiederum das BAMF an die norwegischen Behörden wenden.

Da eine Zusammenführung ausgeschlossen ist, wenn diese nicht dem Kindeswohl dient, muss in jedem Einzelfall zudem die zuständige Jugendschutzbehörde eingebunden werden und eine Kindeswohlprüfung vornehmen.

Auf der Themenseite „Informationen zum Verfahren der Familienzusammenführung“ finden Sie detaillierte Informationen zum Vorgehen und den Voraussetzungen einer Zusammenführung.

Europäisches Flüchtlingsrecht

Die beiden wichtigsten Instrumente der EU stellen Verordnungen und Richtlinien dar. Verordnungen gelten unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten und müssen somit nicht in nationales Recht umgesetzt werden. Richtlinien (auch Direktiven genannt) lassen den Nationalstaaten einen gewissen Freiraum bei der Umsetzung und müssen innerhalb einer bestimmten Frist in innerstaatliches Recht umgesetzt werden. Zudem gibt es noch die Europäische Grundrechte-Charta, deren Grundrechtekatalog im Hinblick auf die Auslegung der Verordnungen und Richtlinien wesentlich ist. Die relevantesten EU-Rechtsgrundlagen finden Sie hier:

Material

Die Mitgliedstaaten der EU verhandeln aktuell über eine Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS). Nach Einschätzung des Bundesfachverband umF e.V. sind grundlegende Änderungen zu erwarten, die sich bedeutend auf die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) und geflüchteten Familien auswirken. Besonders gravierend an den aktuellen Reformvorschlägen ist, dass diese den in den letzten Jahren erreichten Minderjährigenschutzstandard in der EU rückgängig machen und die am Kindeswohl orientierte Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs weitgehend aufheben würden.

(September 2017)

The Member States of the European Union are currently negotiating a reform of the Common European Asylum System (CEAS). Fundamental changes in the existing regulations and directives may be expected. The Federal Association for Unaccompanied Refugee Minors warns that the actual proposals will reverse the standard of protection for minors achieved in the EU in the last few years and largely undermine the case law of the Court of Justice of the European Union (CJEU). Minors and their families will bear the brunt of the current disagreement among the EU states on refugee questions. At the same time, their basic right to asylum and their right to a life with dignity will be put at risk.

(September 2017)