Am 6.9.2026 wurde die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent erstmals stärkste Kraft – der Landesverband gilt beim Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem. Die absolute Mehrheit hat die Partei knapp verpasst, wie eine Regierungsbildung aussehen könnte, ist offen. Klar ist: Für viele Menschen ist das Ergebnis ein Schock. Robina Karimi, Referentin beim Bundesfachverband Minderjährigkeit und Flucht und Aktivistin bei Jugendliche ohne Grenzen, hat aufgeschrieben, wie sie sich nach der Wahl fühlt.
Für mich ist die Wahl in Sachsen-Anhalt nicht nur ein Wahlergebnis. Sie löst etwas aus, das ich eigentlich längst hinter mir lassen wollte: Angst.
Ich habe mein Land schon einmal verlassen müssen. Ich bin geflohen, weil ich dort keine sichere Zukunft hatte. Ich bin nach Deutschland gekommen, mit der Hoffnung, hier ein sicheres Leben zu führen, neu anzufangen und mir eine Zukunft aufzubauen.
Es hat lange gedauert, bis ich mich hier wirklich angekommen und wieder sicher gefühlt habe. Ich studiere, arbeite und habe mir hier eine Perspektive aufgebaut. Ich habe angefangen, dieses Land als mein Zuhause zu sehen.
Doch wenn ich sehe, dass die AfD und rechtsextreme Kräfte immer stärker werden, frage ich mich wieder: Wie sicher bin ich hier wirklich?
Wenn ich morgens zur Universität oder zur Arbeit fahre, denke ich manchmal darüber nach, was passiert, wenn die AfD auch in anderen Bundesländern gewinnt. Was bedeutet das für Menschen wie mich? Für Menschen mit Fluchtgeschichte, für Menschen mit anderer Herkunft, für Menschen, die muslimisch sind oder nicht in das Bild einer vermeintlichen „deutschen Normalität“ passen?
Ich möchte nicht ständig das Gefühl haben, mich rechtfertigen zu müssen, woher ich komme oder warum ich hier bin. Ich möchte einfach leben. Ich möchte studieren, arbeiten, meine Zukunft planen und dazugehören.
Ich bin schon einmal geflohen, um Sicherheit zu finden. Ich möchte nicht wieder an den Punkt kommen, an dem ich Angst um meine Zukunft haben muss.
Deutschland war für mich ein Ort des Neuanfangs. Ein Ort, an dem ich wieder Hoffnung gefunden habe. Diese Hoffnung möchte ich nicht verlieren.
Ich will nicht wieder fliehen. Ich will hierbleiben. Ich will dazugehören. Ich will eine Zukunft – frei von Angst, Rassismus und Rechtsextremismus.
Und genau deshalb dürfen wir nicht schweigen, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Fluchtgeschichte wieder zu „den Anderen“ gemacht werden.
Wir haben eine Heimat verlassen, um eine Zukunft zu finden. Lasst uns dafür sorgen, dass diese Zukunft hier sicher bleibt.
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