Wir freuen uns, den Sammelband zu Perspektiven einer kritischen Sozialen Arbeit zu veröffentlichen!  

Die Beiträge sind Ergebnisse unserer Zusammenarbeit mit angehenden Fachkräften, Absolvent*innen und Universitäten. Sie richten sich an alle Interessierten, an Fachkräfte wie ehrenamtlich Engagierte.  

In Kooperation mit Absolvent*innen der Sozialen Arbeit der Alice-Salomon Hochschule Berlin und der Evangelischen Hochschule Berlin ist dieser Band entstanden. Acht Autor*innen teilen ihre Erkenntnisse aus Forschungsprozessen, Fachpraxis und Aktivismus:   

“Von Reflexion und Kritik zu Haltung und Handlung: Perspektiven einer kritischen Sozialen Arbeit in restriktiven Verhältnissen”

Qualifizierung für gleiche Rechte und Zusammenarbeit mit Hochschulen 

Der Bundesfachverband Minderjährigkeit und Flucht (BuMF) stärkt Fachkräfte in der Begleitung junger geflüchteter Menschen. In den letzten Jahren arbeitete der BuMF zunehmend mit angehenden Fachkräften zusammen und kooperierte mit Hochschulen. Dabei wurde deutlich: Qualifizierungen an der Schnittstelle von Jugendhilfe sowie Asyl- und Aufenthaltsrecht sind im Curriculum Sozialer Arbeit bislang nur unzureichend vertreten.  

Zentraler Bestandteil einer solchen Qualifizierung ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Sozialisation: mit Bildern, Prägungen, Kategorien. Ziel ist die hier u.a. die Sensibilisierung für die Verantwortung und Verwobenheit der Sozialen Arbeit selbst in machtvolle und rassistische Strukturen. Solcherlei Reflexionsprozesse in die Ausbildung zu integrieren, fördert die Fähigkeit zur kritischen Selbstwahrnehmung – eine wichtige Grundlage für professionelles Handeln.  

So kann eine reflektierte Haltung entstehen und sich weiterentwickeln. Haltung ist kein Zustand, sondern ein fortlaufender Lernprozess. Dafür braucht es Bereitschaft – und Räume. Wie die Beiträge dieses Bandes zeigen, ist dies ein wesentlicher Faktor für eine kritische Soziale Arbeit.   

Lernprozesse vertiefen, Erkenntnisse teilen, Austausch fortsetzen 

Die Frage nach Möglichkeiten in einem immer restriktiver werdenden Asylsystem, dessen Teil die Soziale Arbeit ist, dennoch durch menschenrechtsorientierte und kritische Soziale Arbeit zu Stabilität und Perspektiven beizutragen prägte unsere Diskussionen mit Studierenden.  

Die hier versammelten Beiträge präsentieren Forschungsergebnisse von Abschlussarbeiten, die sich in diesen Themen, in diesem Lernprozess verorten und weiterentwickelten. Sie widmen sich der Frage nach einem verantwortungsvollen, informierten und reflektierten Umgang mit der eigenen Verwobenheit in mehrheitsgesellschaftliche Denk- und Machtstrukturen in der Tätigkeit als Sozialarbeitende, insbesondere in Arbeitsbereichen mit geflüchteten und rassistisch markierten Menschen.

Sie beschäftigen sich mit migrantischen Kämpfen und widerständigen Räumen, wie diese wachsen können, welchen Beitrag Soziale Arbeit hier einnehmen kann und welchen nicht. Sie erschließen sich die Logik von Migrationsregimen, Rechtskämpfen und Handlungsoptionen trotz erlebter intersektionaler Diskriminierung, fragen, welche Allianzen möglich sind, wie Vertrauen entstehen kann und welche Belastungen People of Color (als Fachkräfte) aufgrund von Rassismus erleben. 

Entstanden sind mutige Arbeiten, die ihre Motivation aus eigenen Berührungsängsten, dem Reflektieren eigener Vorannahmen, und -ismen zogen, diesen mit einem Forschungsinteresse folgten und die nun ihre Ergebnisse in diesem Band zur Verfügung stellen. Es resultieren Denkanstöße zu persönlicher und professioneller Weiterbildung und Sensibilisierung, zur Vernetzung und zum Perspektivwechsel.  

Die Beiträge beschäftigen sich mit Haltung. Diese ist in Zeiten 10 Jahre nach dem „Sommer der Migration“ zentraler denn je Säule eines menschenrechtsorientierten Einsatzes für das Recht auf Rechte und Teilhabe aller Menschen an dieser Gesellschaft. Sie ist notwendig, um dominante rassistische Diskurse zu entlarven und ihre Wirksamkeit in allen Bereichen der Gesellschaft, so auch in der Sozialen Arbeit selbst, zu benennen und zu bekämpfen.  

(Vorwort Herausgebende, Johanna Karpenstein) 

Wir hoffen, dass die Lektüre nicht nur informiert, sondern auch ermutigt: dazu, die eigene Praxis zu hinterfragen, Haltung zu zeigen und sich einzumischen.

Ein Sammelband wie dieser will und kann keine einfachen Lösungen liefern. Er lädt vielmehr dazu ein, sich einzulassen: auf die Widersprüche, auf die Grenzen des eigenen Handelns, auf die Fragen nach Gerechtigkeit und Solidarität in Zeiten der autoritären Wende und dramatisch wachsenden Zustimmungswerten für rechtsextreme Parteien. 

Das Buch macht deutlich, dass Soziale Arbeit nicht schweigen darf, wenn Menschenrechte beschnitten werden – und dass sie die Aufgabe hat, Räume zu schaffen, in denen Demokratie lebendig bleibt. Wir hoffen, dass die Lektüre nicht nur informiert, sondern auch ermutigt: dazu, die eigene Praxis zu hinterfragen, Haltung zu zeigen und sich einzumischen. 

Denn wenn es um die Rechte von Geflüchteten geht, geht es immer auch um die Zukunft einer offenen und demokratischen Gesellschaft der Vielen. 

(Aus dem Vorwort von Prof. Dr. Stefanie Kron, EHB, Berlin) 

Für die Soziale Arbeit ist es grundlegend, sich darüber klar zu werden, welches Wissen für sie als Profession bedeutsam ist, wie dieses Wissen hervorgebracht wird und welche Konsequenzen es sowohl für ihr professionelles Selbstverständnis als auch für die Lebenslagen ihrer Adressatinnen und Adressaten hat. Eine reflexive und kritische Soziale Arbeit zeichnet sich dementsprechend dadurch aus, dass sie gesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Diskurse nicht als neutral oder selbstverständlich voraussetzt, sondern sie systematisch hinterfragt und gegebenenfalls problematisiert.

(Handan Çiçek, Autorin) 

 

Material

In Kooperation mit Absolvent*innen der Sozialen Arbeit der Alice-Salomon Hochschule Berlin und der Evangelischen Hochschule Berlin hat der BuMF einen Sammelband erstellt: Acht Autor*innen teilen ihre Erkenntnisse aus Forschungsprozessen, Fachpraxis und Aktivismus: “Von Reflexion und Kritik zu Haltung und Handlung: Perspektiven einer kritischen Sozialen Arbeit in restriktiven Verhältnissen“.

Der Sammelband kann in einem begrenzten Umfang auch gedruckt bestellt werden.

(Februar 2026)